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Sommertheaterprojekt "Der Sturm" nach Shakespeare begeistert das Publikum am Otterndorfer Elbstrand Rache, Ränke und Romanzen auf Prosperos verzauberter Insel Kleine Geister entsteigen dem hohen Schilfgras, gelb und rot gewandet, dazu erscheint der Chor, in weiße Kapuzenmäntel gehüllt. Alsbald hebt der tosende Sturm über der See an, den die Geister unter Anleitung des Luftgeistes Ariel entfacht haben. Ein Schiff gerät in Not, die verlorenen Seelen an Bord stranden an den Ufern der Insel und irren ziellos umher, nichtsahnend, dass alles Teil des Racheplans von Prospero, des Herrschers der Insel, ist. Das Spiel kann beginnen... Die sehr frei nach Shakespeares Theaterstück "Der Sturm" inszenierte Aufführung am Otterndorfer Elbstrand bezieht ihren besonderen Reiz zum einen aus der einmaligen Atmosphäre, die das Publikum an zehn lauen Sommerabenden genießen kann, zum anderen daraus zu verfolgen, wie rund zwei Dutzend [35 - Anm. HB] hochmotivierte Laienschauspieler ihre Freude an der Darstellung und der Verwandlung ausleben. Nicht vergessen werden sollte dabei, dass mindestens ebenso viele Beteiligte im Hintergrund wirken, für Licht- und Tontechnik verantwortlich sind, den musikalischen Rahmen mit eigens komponierten Stücken schaffen, für Ausstattung, Kostüme, Choreografie und vieles mehr sorgen. Hinter dem Projekt des Vereins "Kultur auf dem Lande" steht mehr als nur die Lust am Theaterspiel inmitten der Naturkulisse, nämlich ein Gemeinschaftserlebnis, an dem viele Menschen in monatelanger Vorbereitung intensiv teilhaben und während der Vorstellungen auch das Publikum. Der Initiator des Theaterprojekts, Regisseur, Textschreiber und Schauspieler Hartmut Behrens ist mit seinem Team auch in der vierten Auflage des Sommertheaters mit hohem Aufwand ein neues künstlerisches Wagnis eingegangen, das von den Besuchern des Stückes bisher begeistert honoriert worden ist. Entstanden ist in Text, Inszenierung und Besetzung ein völlig eigenständiges Schauspiel, das sich dennoch zu Recht auf die Vorlage des großen Klassikers berufen kann. Shakespeares vielschichtige Parabel um Liebe, Rache und Hass, um Macht und deren Missbrauch wird hier auf originelle, zeitgemäße und nicht zuletzt auf sehr witzige Weise uminterpretiert. Dass das Lustspielhafte in vielen Szenen einerseits und die dieser verzauberten Inselwelt innewohnende Poesie andererseits eine glaubwürdige Balance halten, ist der Verdienst der Regie und des komplett neu geschriebenen umgangssprachlichen Stücktextes. Hartmut Behrens hat nicht nur die Handlung gestrafft und verändert, neue Szenen hineingeschrieben, sondern such das Personal der Figuren um etliche Rollen, vor allem weibliche, erweitert. So bevölkern Zofen und anderes königliches Dienstpersonal die Szenerie, geneckt, getäuscht und gelenkt von einer Schar für sie unsichtbarer Geister. Die zusätzlich erfundenen Rollen kommen der Inszenierung durchaus zugute, denn sonst hätte das Publikum auf köstliche Szenen mit Amanda, der stets besorgten königlichen Amme (Anja Loewer), mit Henriette (Antje Genrich), der zänkischen Frau von Alonso, des dicklichen und ein wenig begriffsstutzigen Königs von Neapel (Mike Muckenhaupt) und deren vorwitziger Tochter Lucia (Marlitt Janssen) verzichten müssen. Die bissigen Wortgefechte der Gestrandeten, die Eifersüchteleien und Ränkespiele, das sich anbahnende Staatskomplott von Alonsos beschränktem Bruder Sebastian (Sebastian Loewer) und dem fiesen Antonio (Matthias Krause), dem Bruder Prosperos, das ist beste, humorvolle Unterhaltung. Die Schauspieler nutzen die ihnen im Stück gebotenen Freiräume, um ihre komödiantischen Talente zu entwickeln und auszuspielen. Prospero (Albrecht Nielsen), der einst durch seinen Bruder vom rechtmäßigen Mailänder Thron verstoßene Inselherrscher, erscheint als grantelnder, gestrenger Rachefürst, der nur scheinbar dank seiner Zauberkraft alle Fäden der Handlung in der Hand hält, bis sich die sorgsam gezogenen Strippen immer mehr verheddern. Seine liebliche Tochter Miranda (Nantke Meins), die er Alonsos Sohn, dem etwas einfältigen und verwöhnten Prinzen Ferdinand (Karsten Woll) zugedacht hat, verselbständigt sich zusehends, nicht ohne aber ein interessiertes Auge auf den Königsspross zu behalten. Und dann wären da noch die beiden Knallchargen Trinculo (Nikolaus Hauschild) und Stephano (Christopher Thiele). Der Hofnarr und der Diener sind auf den Weinvorrat des gestrandeten Schiffes gestoßen, mit fatalen Folgen. Denn ausgerechnet die ebenso tumbe wie boshafte Kreatur Caliban (Hartmut Behrens), missgestalteter Sklave Prosperos, benutzt die beiden lallenden Tröpfe für seine eigenen finsteren Pläne, die Herrschaft über die Insel an sich zu reißen. Über allem Treiben wacht und schwebt Ariel, der allgegenwärtige Luftgeist (Yvonne Pröpper), der, eigentlich Werkzeug der Absichten Prosperos, zum wahren Lenker der Geschicke wird und der Handlung eine schlussendliche, überraschende Wendung gibt, wie sie bislang noch in keinem Schauspielführer nachzulesen ist. Darauf darf man absolut gespannt sein. Die nächste Aufführung [...] |