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Groteske Szenen mit demaskierendem Charakter "Barbarische Komödien": Großartige Premiere an der Osterbrucher Kornwindmühle / 40 Laienschauspieler im Einsatz / Stück zwischen Ernst und Komik Von Ursula Holthausen Osterbruch. Windstille - unbewegt reckt der Galerieholländer seine mächtigen Flügel gegen den Wolkenhimmel, der der untergehenden Sonne ein intensives Farbspektakel erlaubt. Über dem Wasserlauf tanzen Mückenschwärme und bizarre Kopfweiden bilden ein Spalier. Diese Kulisse, allein von der Natur geschaffen, wird zum Schauplatz. "Barbarische Komödien" ereignen sich dort - schon bei der Premiere am vergangenen Freitag, aber auch noch sechs weitere Male (bis zum 4. September). Bei den "Barbarischen Komödien" entfaltet sich ein ernsthaft-komisches Theaterstück, das auf den spanischen Schriftsteller Ramón Maria del Valle-Inclán zurückgeht. Hartmut Behrens, Autor und Regisseur des Oberndorfer Vereins "Kultur auf dem Lande", hat den Stoff bearbeitet und das im Original 70 Szenen umfassende sowie zwölf Stunden dauernde Werk umgeschrieben. Zwar im rauen norddeutschen Norden angesiedelt, so hat er doch das Szenische aus dem spanischen Galizien beibehalten. Ist die Urfassung del Valle-Incláns von antibürgerlicher Haltung und ironisch-sarkastischer Opposition geprägt, so hat Behrens dies übernommen, seine Komödien demaskieren die Wirklichkeit - oft in grotesker Weise. Herrscher über Land und Menschen In einem ungeheuren Kraftakt hat Hartmut Behrens mehr als 40 Laienschauspieler um sich geschart und sie in wenigen Monaten zum Ziel geführt. Er selbst ist in die Rolle der zentralen Figur des Stückes, des Großgrundbesitzers Don Juan Manuél Montenegro, geschlüpft. Die Premiere am vergangenen Freitag - sie hat die Zuschauer begeistert; schon in der halbstündigen Pause ließ der Gedankenaustausch Respekt erkennen. ![]() Der Stoff ist von jener Art, die oft Pate steht. weil sie die menschlichen Schwächen so gnadenlos offenbart: Da ist der stolze Edelmann, der Recht und Moral mit eigenem Maßstab misst, Herrscher über Ländereien und Menschen. Er nimmt sich Mädchen und Frauen, wie es ihm gefällt, um sie anschließend fallen zu lassen. Zwei seiner drei Söhne (Don Mauro: Sebastian Loewer, Don Farruquiño: Tobias Loewer) sind skrupellos, moralisch höchst missraten; nur Silbergesicht (Maik Thamm), lange Zeit mitschwimmend, erkennt das Schlechte und verlässt die Heimat. Die Moral der Menschen um den Edelmann herum - auch sie ist gänzlich verkümmert. Da wird gehurt, Gott gelästert, gestohlen, betrogen, Verrat geübt. Kinder scheinen lästiges Beiwerk zu sein, lassen sich letztlich nicht mehr lenken. Zwar findet der Gang in die Kirche noch statt, doch Klatsch und Gelüste treten an die Stelle von Gebeten, so dass der Pfarrherr (dargestellt von Albrecht Nielsen) das Predigen beinah aufgegeben hat. Lediglich zwei Menschen scheint gegeben, die Moral aufrecht zu halten: Montenegros Ziehtochter Sabelita (Friederike Schulz) und Ehefrau Doña Maria (Iris Großmann). Beide scheitern: Sabelita geht ins Wasser, weil sich Montenegro an ihr vergriffen hat; Doña Maria stirbt den unverhofften Tod, weil die Sünden der anderen zu schwer auf ihr lasten. Spott der Söhne Erst nach diesem menschlichen Verlust stellt sich eine Wandlung bei Montenegro ein; er hat ein Ohr für die Armen, die von seiner Frau mit Almosen bedacht worden waren, setzt sich gar für sie ein und bittet bei seinen Söhnen Don Mauro und Don Farruquiño um Speisung. Natürlich widersetzen sie sich, verspotten ihn. So erschlägt der Vater den einen Sohn, während ihn der andere, Don Farruquiño, vor den Augen der hungernden Menschen erschießt. Denen wirft er seinen prall gefüllten Geldbeutel hin mit der Anweisung: "Sagt, dass es Silbergesicht war". Nur ein kurzes Zögern, dann nimmt sich die hungrige Meute das Geld... |