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"Peer Gynt" als Collage an Farben und Spielfreude Gefeierte Theaterpremiere am Sonnabend im Wingster Wald Von Wiebke Kramp Es schillert bunt im Wingster Wald - und manchmal blitzt es vor dem Grün der Bäume auch grell auf. Der Grund: "Peer Gynt, der Wald und die Träume", das Theaterstück des Vereins "Kultur auf dem Lande", mit 35 Schauspielern, Musikern und Tänzerinnen. Sonnabend war Premiere "vom Schicksal eines Menschen, der träumt", wie die moderne Waldfee Puck (Sarah Loock) eingangs schildert. ![]() Peer Gynt (Henning Baden) ist ein rastloser Tunichtgut mit Flausen im Kopf. Er fährt das Auto seiner Mutter (Rosemarie Schradiek) zu Schrott, schwängert seine Jugendfreundin Ingrid (Michaela Dettmer) am Tag ihrer Hochzeit, um sich danach mit dem Auto des Bräutigams einfach aus dem Staub zu machen. Und auch bei seiner Freundin Solveig (Anna Broden) gibt er ganz schnell Gas und verschwindet einfach aus ihrem Leben. Auf der Suche nach der eigenen Identität Das Leben von Peer Gynt verläuft alles andere als stromlinienförmig. Er ist ein Getriebener auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Einzig die Obdachlose Clara (Cormelia Haberler) scheint ihn zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen. Was bei Ibsen skandinavisch schwermütig ist, hat der Oberndorfer Hartmut Behrens sehr frei in ein eigenes Stück transportiert. Seine Inszenierung orientiert sich lediglich an der Vorlage, Schauplätze und Sprache verlegte er in die heutige Zeit, Figuren wurden gestrichen, viele neue hinzugefügt. Das stellt die Darsteller vor die Herausforderung, gleich mehrere Rollen und zig Kostümwechsel bewältigen zu müssen. So sieht das Publikum beispielsweise die Hemmoorer Ärztin Gudrun Runge eben noch als Brautmutter, dann als volltrunkenen Partygast und schließlich als Gefängnisleiterin. Und bei den anderen Darstellern ist es ebenso. Allen zwischen zehn und 66 ist die Spielfreude anzumerken, der Spaß an und die Identifikation mit dem Projekt offensichtlich. Das überträgt sich auf das Publikum. In diesem Rahmen alle Laiendarsteller zu nennen, würde den Rahmen sprengen, jedoch gehört allen Mitwirkenden großer Respekt gezollt. Die Zuschauer erleben ein Spiel mit vielen heiteren, ja oft sogar schrägen Elementen. Eine orientalische Bauchtanzgruppe (Ensemble ISIS) schwingt gekonnt die Hüften und in einer schrillen Fernsehshow läßt sich Peer Gynt Eselsohren aufsetzen und Gummibrüste umbinden. Als ihn ein Waffenhändler für seine Geschäfte einspannt, lockt ihn das große Geld. Doch auch hier ist er zum Scheitern verurteilt. Zu sieben Jahren und sechs Monaten muss er ins Gefängnis. Als er in das Leben zurückkehrt, ist nichts mehr so wie vorher. Doch Peer Gynt ist angekommen oder wie Puck sagt: "Manchmal enden Träume anders als man denkt - und das ist gut so". In einzelnen Bildern wird die Geschichte von Peer Gynt erzählt, starken Bildern. Da macht Theater Spaß, da darf gelacht werden. Und auch die zwei Ortswechsel hin zum Waldspielplatz sorgen für Auflockerung. Da stehen die Zuschauer dann auf einmal mitten zwischen den Darstellern, werden Teil der Inszenierung. Für zusätzlichen Reiz und Ergänzung des Gesehenen sorgt die von Wigbert Zelfel komponierte Musik, einstudiert von den Musikern unter Leitung von Rolf Griebel. "Peer Gynt, der Wald und die Träume" ist ein erstaunliches Erlebnis, eine Collage an farbenprächtigen Bildern, erfüllt von der Lust der Darstellerinnen und Darsteller, dem Grün der Kulisse ganz viele bunte Sprenkel zuzufügen, die zu einem sehenswerten Gesamtbild werden. |