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Finanzierung leider gescheitert:


Open-Air-Theater 2009

Viel Lärm um Nix(en)
sehr frei nach William Shakespeare

am und im Stinstedter See

Nixen


28. Februar 2009

Kein Open-Air-Theater 2009
Von Hartmut Behrens

Seit heute steht es fest: Ein Open-Air-Theater von Kultur auf dem Lande e.V. wird es in diesem Jahr nicht geben. Ob wir überhaupt wieder Open-Air-Theater in der bewährten Form anbieten können, steht damit durchaus in Frage.

Vier Monate hat es seit dem Antragstermin gedauert, bis die Verantwortlichen in Hannover beschlossen haben, uns nicht zu fördern. Zunächst hatte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das für die Soziokultur zuständig ist, eine Förderung wegen fehlender Mittel abgelehnt; die Lottostiftung wollte uns fördern, durfte aber nicht mehr, da die Landesregierung ihr in einer Blitzaktion den Bereich Kultur entzogen hat. Nun hat uns auch die neu zuständige Stiftung Niedersachsen mitgeteilt, dass unser Projekt wegen fehlender Mittel nicht gefördert werden kann. (Niedersachsen bildet zusammen mit Schleswig-Holstein das Schlusslicht im bundesweiten Vergleich der Kulturförderung.)

Das ist besonders frustrierend in einer Situation, in der unfähigen Bankern die Milliarden nur so hinterhergeschmissen werden - Leuten, die eindrucksvoll bewiesen haben, dass sie mit Geld nicht umgehen können und die auch jetzt wieder riesige Summen in die eigenen Taschen bugsieren. Während bei uns immer äußerst sparsam gewirtschaftet und bei den Honoraren die Grenze zur Selbstausbeutung regelmäßig überschritten wurde.

Nur ein Fünfmillionstel der Staatsgelder, die allein für die kriminellen Machenschaften der Hypo Real Estate bisher aufgebracht wurden, hätte ausgereicht, unser Sommertheater zu finanzieren. Anders ausgedrückt: Mit dem HRE-Geld hätte man fünf Millionen Kulturprojekte in dieser Größenordnung anschieben können (oder Millionen anderer sinnvoller Projekte).

Die 'Finanzkrise'

Die Kultur und der Umgang mit Kultur sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Angesichts dessen, was derzeit nicht nur in Deutschland abläuft (sog. Finanzkrise), stellen sich für Kulturschaffende neue Fragen sowohl inhaltlicher als auch existenzieller Art.

Meiner Meinung nach erleben wir gerade die gigantischste Umverteilung von Reichtum von unten nach oben, die es je gegeben hat. Die Bundesregierung hat - am Parlament vorbei - ausgerechnet die Banker und Bank-Lobbyisten mit dem 'Banken-Rettungsplan' und der (geheimen!) Verteilung der Steuermilliarden beauftragt. Das ist, als würde man die Mafia damit beauftragen, das organisierte Verbrechen zu bekämpfen.
Nixen Gleichzeitg verzichtet die Regierung praktisch auf jede Form von Mitspracherecht (1). Währenddessen beschäftigen sich die Parlamentarier, die ja eigentlich den Volkswillen vertreten und die Regierung kontrollieren sollen, mit einem Gesetzentwurf, der die Bestechung von Abgeordneten legalisieren würde (2).

Ziel der Bankenrettung sollte ja sein, die Banken wieder zur Finanzierung von Investitionen zu bewegen. Aber was passiert? Die Banken sacken die Milliarden ein, zahlen ihren Managern schamlos unverdiente Boni und geben trotzdem keine Kredite. Die Regierung zahlt weitere Milliarden für die Übernahme der Dresdener Bank durch die Commerzbank und die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank, was mit der Sicherstellung von Investitionskrediten nicht das Geringste zu tun hat. Dann bittet die Kanzlerin die Banken freundlich, ihre Kreditbereitschaft zu verbessern - stattdessen fordern deren Manager weitere Milliarden für faule Wertpapiere, die sie angeblich gerade erst entdeckt haben.

Wenn es tatsächlich um den verbesserten Zugang der Wirtschaft zu Krediten ginge, stellte sich doch die Frage, warum die Regierung diese nicht direkt vergibt! Das wäre ganz offensichtlich sehr viel kostengünstiger. (Man könnte hier antworten, dass die Regierung nicht über die benötigten Fachleute verfügt - aber was für Fachleute haben denn die Banken?)

Und natürlich stellt sich die Frage, ob unsere Regierung einfach nur extrem unfähig ist oder ob wir nicht längst von Leuten regiert werden, die sich nie einer Wahl gestellt haben.

Angesichts der dramatischen Staatsverschuldung ist für die nächsten Jahre eine deutlich steigende Inflation absehbar, die Arbeitslosigkeit wird weltweit stark zunehmen, während gleichzeitig die Sozialprogramme und natürlich auch die Kulturförderung noch mehr gekürzt werden. Das sind schlechte Bedingungen für ambitionierte Kulturprojekte.


(1) Ein sehr guter Artikel dazu erschien im Tagesspiegel

(2) Artikel "Wie Abgeordnete sich künftig sponsern lassen wollen" in Lobbycontrol

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