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Niederelbe-Zeitung, 30. Juni 2008, zur Premiere von "Fürstenstroh" am 28. Juni in Neuhaus/Oste Autorin: Heike Leuschner Jubelsturm für "Fürstenstroh"-Akteure Verein "Kultur auf dem Lande" feierte mit neuem Stück auf dem Pausenhof der Grundschule Neuhaus Premiere / Weitere Termine Neuhaus. Was für ein Theater! Das müssen Unbeteiligte gedacht haben, die am späten Sonnabend tosenden Applaus und unzählige Bravorufe vom Pausenhof der Neuhäuser Grundschule vernahmen. Hunderte Meter weit tönte die Begeisterung des Publikums in die Neuhäuser Nacht. Die Freiluft-Theaterpremiere des heiter-sarkastischen Stückes "Fürstenstroh", aufgeführt von "Kultur auf dem Lande", war gelungen. Auf dem Spielplan stand ein Stück, das mit seiner Stroh-zu-Gold-Theorie ein wenig an Grimms Märchen "Rumpelstilzchen" erinnerte, dabei aber das aktuelle Zeitgeschehen mit Finanzmarktturbulenzen, Steuererhöhungen, Gesundheitsreform, Menschenhandel und Ölpreisexplosion aufs Korn nahm. Mit Dialogen wie "Schmor in der Hölle! - Dann spar' ich mir wenigstens die Heizkosten bei den Preisen heutzutage" sorgten die 30 Laienakteure immer wieder für Heiterkeit auf der dicht besetzten Zuschauertribüne. Beim Bühnenbild und den farbenprächtigen Kostümen blieb die Inszenierung hingegen konsequent in der Zeit, in der Autor und Regisseur Hartmut Behrens das Stück angesiedelt hatte - im 18. Jahrhundert. "Fürstenstroh" erzählt die Geschichte des überaus einfältigen Fürsten Franz (gespielt von Mike Muckenhaupt), dem eine "prall gefüllte Schatzkammer" noch nicht genug ist. Er beauftragt den Alchemisten Meister Moritz (Hartmut Behrens), Stroh in Gold zu verwandeln. Ein Auftrag von höchster Geheimhaltungsstufe. Dumm nur, dass Hofnärrin Hilda (Nantke Meins) das Gespräch belauscht und für allerlei Begehrlichkeiten in der Adelsfamilie sorgt. Doch Fürstenmutter Leonora (herrlich hochnäsig gespielt von Iris Großmann) prallt mit ihren Luxuswünschen am geizigen Landesvater ab. "Kupfesel" heißt die Formel für das Wunderding, das Meister Moritz seinem geizigen Fürsten am Ende erfolgreich als "noch viel wertvoller als Gold" verkauft. Es ist das, wonach es klingt: Mist von Kuh, Pferd und Esel. Der Alchemist hat ihn den Bauern für das vom Fürsten erhaltene Forschungshonorar abgekauft, mit Kräutern vermischt und zu Barren gepresst. Während der Fürst daraus Münzen prägen lassen und seinen Reichtum vervielfachen will, spotten die Bauern tanzend und singend: "Kuhscheiße, Kuhscheiße, das ist das neue Gold. Der Taler rollt und rollt." Wer am Ende den moralischen Sieg davonträgt, wird schnell klar: die bäuerlichen Untertanen. Behrens wie ein Derwisch Der Funke von den mit viel Enthusiasmus agierenden Darstellern sprang bereits wenige Minuten nach Beginn des gut zweistündigen Stücks auf das Publikum über. Zu den besten Szenen gehörte Behrens' Auftritt als durchgeknallter Bauer Maximilian, der beim Ritt auf einem imaginären Pferd wie ein Derwisch über die Bühne fegte. Einen weiteren Glanzpunkt setzte Hilda, die als Närrin am Hofe als einzige die Wahrheit spricht und ein Gespräch zwischen Fürstin Leonora und ihrer Gesellschaftsdame Floralinda (Petra Jaeschke) mit viel Witz pantomimisch parodierte. Die von Kevin Fremgen für "Fürstenstroh" komponierten und von Musikern live gespielten Lieder und Instrumentalstücke fügten sich perfekt in die Inszenierung ein. Ungewöhnlich und dennoch passend als Theaterbühne: der Hof der Grundschule Neuhaus. Geschickt hatten die Bühnenbildbauer um das Designerteam Petra Jaeschke und Hartmut Behrens den Backsteinschulbau in ihre schlichte aber wirkungsvolle Bauerndorf/Schloss-Kulisse einbezogen. Die Fenster des Erdgeschosses wurden zur Ahnengalerie, der Asphaltboden mit Holzspänen, Rupfensäcken und alten Obstkisten zum historischen Marktplatz. Wer die Darsteller in ihrem aktuellen Stück erleben will, hat dazu am 5. Juli (21 Uhr), 6. Juli (17 Uhr), 11. Juli (20.45 Uhr), 12 Juli (20.45 Uhr) sowie am 18. und 19. Juli ab 20.30 Uhr auf dem Hof der Grundschule Neuhaus Gelegenheit. Im Park des Schlosses Ritzebüttel in Cuxhaven wird "Fürstenstroh" am 25. und 26. Juli jeweils ab 20.30 Uhr aufgeführt. |